Bo-Yi Wu Accreation

30 Mai 2026 - 23 Juni 2026

Bo-YI Wu gewann im letzten Jahr im Zuge unserer Residenzprogrammes (mit den Partnern Taipei Artist Village, Kulturreferat München, Goethe Taipei) die Ausschreibung in Taipei und somit einen dreimonatigen Aufenthalt in der Villa Waldberta und die Einzelausstellung bei uns.
In „Accretion“ (schrittweise Anlagerung von Materie ) bedeckt der Künstler das Apartment mit handgeschöpftem Papier aus den Fasern des Japanischen Staudenknöterichs. Das Papier zieht sich von den Wänden bis auf den Boden und dient nicht mehr nur als Bildträger, sondern wird zu einem begehbaren Raumfeld, entstanden aus der schichtweisen Akkumulation pflanzlicher Fasern. Hierbei nimmt Wu in dieser raumbezogenen Installation Bezug auf die architektonischen und die Licht - und Schattenverhältnisse im Apartment der Kunst. Durch das einfrieren dieser Verhältnisse zu bestimmten Uhrzeiten nimmt Bo-Yi Wu in dieser Ausstellung auch die zeitliche als vierte Dimension mit in seine Arbeit weise auf.

Das Arbeit beschäftigt sich mit der Spannung zwischen der Ausbreitung von Pflanzen über Regionen hinweg und menschlichen Regulierungssystemen. Der Japanische Staudenknöterich wurde im 19. Jahrhundert erstmals als Zierpflanze nach Europa eingeführt; in den letzten Jahren wurde er aufgrund seiner raschen Ausbreitung als invasive Art neu definiert, die einer Bewirtschaftung und Bekämpfung bedarf. Dieser Statuswechsel spiegelt nicht nur die Ausbreitung der Pflanze selbst wider, sondern zeigt auch, wie Menschen durch Klassifizierung und Regulierung weiterhin die Art und Weise prägen, wie wir nicht nur Pflanzen sondern auch z.B. andere Menschen in unserer Umgebung wahrnehmen und mit ihnen umgehen.

Unter Verwendung traditioneller Papierherstellungstechniken verarbeitet und rekonstruiert die Künstlerin Knöterichfasern und transformiert so die ursprüngliche Form der Pflanze. Während sich das Papier im Ausstellungsraum ausbreitet, dringen die Fasern allmählich in die Oberfläche des Raumes vor und versuchen, etablierte Wahrnehmungen von Pflanzen, die als invasiv gelten, ins Wanken zu bringen.

Durch die materielle Übersetzung ermöglicht das Werk eine neue Betrachtung und Wahrnehmung einer Pflanze, die seit langem Regulierungen, Vorsichtsmaßnahmen und festgelegten Definitionen unterliegt. Als Fortsetzung der fortlaufenden pflanzenbezogenen Forschung und Praxis der Künstlerin in Taiwan, Großbritannien und Deutschland untersucht es weiterhin die sich wandelnden Beziehungen zwischen Kultur, Ökologie und Regierungssystemen.